Gemeinsam lernen, Verhalten neu verstehen

Inhouse-Fortbildung zu Neurodivergenz im vsj

27 Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Einrichtungen des vsj kamen Ende Oktober 2026 zu einer Inhouse-Fortbildung zusammen. Zwei Tage lang ging es um Themen, die in der Jugendhilfe ständig präsent sind: ADHS, exekutive Funktionen, Autismus und herausforderndes Verhalten. Die Dozentin Corina Elfe, Beraterin und Autorin mit Schwerpunkt auf neuroinklusiver Bildung, führte durch die Tage. Im Zentrum stand eine Frage, die Fachkräfte täglich umtreibt: Was steckt eigentlich hinter einem Verhalten, das auf den ersten Blick nach Verweigerung, Trotz oder fehlender Motivation aussieht?

Für die Jugendhilfe ist diese Frage alles andere als theoretisch. Viele junge Menschen, die wir begleiten, bringen häufig belastende Erfahrungen mit. Kommt eine neurodivergente Wahrnehmung hinzu, steigt das Risiko, dass ihr Verhalten falsch gedeutet wird. Wer Planungsfähigkeit, Impulskontrolle oder Emotionsregulation als Charakterfrage liest, reagiert vielleicht mit Druck und Sanktionen. Wer dieselben Verhaltensweisen als Ausdruck einer anderen Selbststeuerung versteht, schafft Entlastung und eröffnet Wege zu einer bindungsorientierten Pädagogik.

Warum Neurodivergenz in der Jugendhilfe zählt

Für die Jugendhilfe ist diese Frage alles andere als theoretisch. Viele junge Menschen, die wir begleiten, bringen häufig belastende Erfahrungen mit. Kommt eine neurodivergente Wahrnehmung hinzu, steigt das Risiko, dass ihr Verhalten falsch gedeutet wird. Wer Planungsfähigkeit, Impulskontrolle oder Emotionsregulation als Charakterfrage liest, reagiert vielleicht mit Druck und Sanktionen. Wer dieselben Verhaltensweisen als Ausdruck einer anderen Selbststeuerung versteht, schafft Entlastung und eröffnet Wege zu einer bindungsorientierten Pädagogik.

Ähnlich ist es mit Reizüberflutung und Stress, die Eskalationen auslösen können. Ein fundiertes Verständnis dieser Zusammenhänge stärkt die Beziehungsarbeit, die auch unser Leitbild als Grundlage jeder pädagogischen Arbeit beschreibt. Es gibt Fachkräften Handlungssicherheit und hilft, Konflikte zu entschärfen, bevor sie wachsen.

Fachlich auf der Höhe der Zeit

Eine bindungsorientierte Haltung entfaltet ihre Kraft jedoch nur, wenn sie auf geteiltem Fachwissen ruht. Deshalb legt der vsj großen Wert darauf, wie seine Inhouse-Fortbildungen geplant und durchgeführt werden. Bei der Themenwahl achten wir auf aktuellen Bezug und verpflichten renommierte Referent*innen. Bestimmte Schwerpunkte wie Bindungsorientierung oder Traumapädagogik kehren in wiederkehrenden Angeboten zurück, vertiefen sich dadurch und verankern sich strukturell in den Einrichtungen.

Mitsprache als Ausgangspunkt

Am Anfang steht trotzdem die Mitsprache. Mitarbeitende schlagen Themen vor, und zu den Themen, die das Leitungsteam auswählt, holt der vsj Rückmeldungen aus den Teams ein. Wer täglich mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeitet, spürt den fachlichen Bedarf früh. Das Leitungsteam behält die gesamte Organisation im Blick, die Teams bringen die Perspektive der Praxis ein. Beide Sichtweisen ergänzen sich, und so wird die Mitbestimmung gelebt, die der vsj im Leitbild verankert hat.

Inhaltlich bleibt das Angebot nah an den aktuellen Fragen der Praxis. Die Jugendhilfe steht ständig vor neuen Herausforderungen, und Erkenntnisse aus Forschung und Praxis erreichen die Teams auf diesem Weg zeitnah.

Lernen mit Zeit und Rückhalt

Die Inhouse-Fortbildungen finden während der Arbeitszeit statt. Sie kommen zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten Fortbildungstagen und zum individuellen Fortbildungsbudget hinzu. Beides bleibt vollständig erhalten. So lernen alle Mitarbeitenden gemeinsam, ohne dafür Freizeit einzusetzen und ohne auf andere Weiterbildungswünsche zu verzichten. Der vsj zeigt damit, wie wichtig ihm die fachliche Entwicklung seiner Mitarbeitenden ist.

Diese Schwerpunkte kehren wieder und gewinnen mit jeder Runde an Tiefe. Ein einzelner Termin setzt Impulse. Durch Wiederholung festigt sich das Gelernte und verknüpft sich mit den Erfahrungen aus dem Alltag. Wenn ganze Teams und Einrichtungen dieselben Grundlagen teilen, entsteht eine gemeinsame Sprache, auf die sich Fachkräfte in Fallbesprechungen, Übergaben und Hilfeplangesprächen stützen können. So profitiert der ganze Verein, und das Wissen verankert sich strukturell.

Die Neurodivergenz-Fortbildung fügt sich in dieses Konzept ein. Sie liefert Impulse für den Alltag und lädt dazu ein, das Thema in den Einrichtungen weiterzudenken. Der vsj bleibt dabei im Gespräch mit seinen Mitarbeitenden und entwickelt sein Fortbildungsangebot gemeinsam mit ihnen weiter.

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Sarah
Griebel

Sozialpädagogin (B.A)

Team:
Mächenwohngruppe Coburg

sarah.griebel@vsj.de
Tel.: 09561 53377
Fax: 09561 630721
Mobil: 0177 1875436

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